Es ist eine bittere Nachricht für alle, denen das fossile Erbe des Hunsrücks am Herzen liegt. Dieser Rückblick, ein Jahr nach dem Ende der bis 14.02.2025 befristeten Petition, fasst zusammen, worum es ging, was erreicht wurde – und woran es am Ende scheiterte.
Warum Bundenbach einzigartig ist
Der Hunsrückschiefer von Bundenbach zählt zu den bedeutendsten Fossillagerstätten der Welt. Die Versteinerungen stammen aus dem Devon, vor rund 400 Millionen Jahren. Damals begann die „nektonische Revolution“: die Besiedlung der Meere durch aktiv schwimmende Tiere.
Das Besondere: In Bundenbach sind über 280 Tierarten überliefert, viele davon in Weichteilerhaltung. Fossilien aus Bundenbach sind heute in fast allen großen Naturkundemuseen der Welt anzutreffen – gleichauf mit Solnhofen, Messel oder Holzmaden.
Und genau hier liegt das Problem. Vergleichbare Lagerstätten tragen den Status als UNESCO-Weltnaturerbe (Messel), Top IUGS Geological Heritage Sites (Solnhofen) oder UNESCO Global Geopark (Holzmaden). Allen ist ein bedeutendes Museum angegliedert. Nicht so in Bundenbach.
Fossilienmuseum im „Dornröschenschlaf“
Das Fossilienmuseum Bundenbach entstand 1976 am Standort Herrenberg, zunächst als kleines Bergbaumuseum. 1992 kam die Fossilienausstellung hinzu. Die Lage ist reizvoll – mitten in der Natur, mit Blick auf die Schmidtburg und direkt an einem Premium-Wanderweg. Der Zustand des beengten Gebäudes ist es nicht: Feuchtigkeit, keine Heizung, ein defektes Dach.
Auch die Sammlung selbst hat gelitten. Eine Inventarisierung von Wouter Südkamp im Nachgang zum Symposium 2024 kommt zu einem ernüchternden Ergebnis. Seit der Unterbringung an der Grube Herrenberg sind mindestens 20 Fossilplatten nicht mehr im Museumsbestand, darunter die Topstücke. Neufunde aus den 1990er-Jahren fehlen ganz. Einen Kurator gab es nie, die Außentür stand während der Öffnungszeiten offen. Die heutige Sammlung reicht nach diesem Befund nicht aus, um ein modernes Museum angemessen zu bestücken.
Der lange Anlauf: von 2011 bis zur Petition
Der Wunsch nach einem neuen Museum ist nicht neu. Schon 2011 machte der Paläontologe Michael Wuttke die kommunalen Gremien auf die einzigartige Bedeutung der Fundstelle aufmerksam.
2000 widmete das Naturkundemuseum Reutlingen der „Schatzkammer Dachschiefer“ eine vielbeachtete Sonderausstellung samt Katalog. Einzelne Objekte wurden ansprechend, wie „Prunkjuwelen“ präsentiert, mit vergrößerten Röntgenbildern im Hintergrund.
2023 folgte ein weiteres Signal. Das Landesmuseum Birkenfeld zeigte von April bis Dezember die Sonderausstellung „Stachelhai & Schlangenstern – Fossilien aus Bundenbach„. Sie verstand sich ausdrücklich als Appell an die Politik, dieses Erbe zu bewahren.
2024 wurde es konkreter. Das Fachsymposium „Im Tal der Jahrtausende“ widmete sich im Juni der Zukunft des Museums. Aus diesem Umfeld heraus entstand schließlich die Petition.
Die Petition 2024/25
Vom 14. Dezember 2024 bis zum 14. Februar 2025 wurde durch die Initiatoren die Petition für ein neues Fossilienmuseum Bundenbach ins Leben gerufen. Das Ziel: ein neues Fossilienmuseum in Bundenbach, getragen von einem gemeinnützigen Förderverein, mit neuen Wegen bei Finanzierung, Sponsoring und Marketing. Auch der Schieferabbau vor Ort und Schenkungen von Sammlern waren Teil des Konzepts.
Die Resonanz war beachtlich. Über 660 Personen zeichneten die Petition, darunter rund 70 Professorinnen und Professoren der Paläontologie aus aller Welt. Adressiert war sie an Ministerpräsident Alexander Schweitzer und mehrere Ministerien. Im Sommer 2025 schaltete sich zudem Bundestagspräsidentin Julia Klöckner ein und bat Schweitzer schriftlich um eine erneute Prüfung.
Woran es scheiterte
Trotz dieser Unterstützung fand sich keine tragfähige Lösung. Der Kern des Problems waren weniger die Baukosten als die dauerhaften Unterhaltskosten. Und genau daran wollte sich das Land nicht beteiligen.
Die Begründung: Beim Fossilienmuseum Bundenbach handele es sich um ein nichtstaatliches Museum. Verantwortung für Weiterentwicklung und Unterhalt liege damit vor Ort bei den Trägern – also bei Landkreis, Verbandsgemeinde und Ortsgemeinde. Das Land verwies auf ein kommunales Förderprogramm und auf Beratung durch den Museumsverband Rheinland-Pfalz. Eine Übernahme als staatliche Außenstelle lehnte es ab.
Auch ein persönlicher Übergabetermin bei Ministerpräsident Schweitzer kam nicht zustande. Die Petition wurde stattdessen an einen Staatssekretär im Kulturministerium überreicht. Die Intervention von Julia Klöckner änderte am Ergebnis nichts.
Für die Initiatoren ist das kein akzeptabler Ausgang. Ihr zentraler Einwand: Gemeinden im strukturschwachen Raum mit defizitären Haushalten können die Unterhaltskosten nicht allein stemmen. Der Verweis auf die lokale Verantwortung gehe deshalb am Kernproblem vorbei.
Dass es anders ginge, zeige das Land in Mainz – beim Neubau des Gutenberg-Museums beteiligt es sich sehr wohl als Träger. Die angekündigte Aufwertung des bestehenden Gebäudes wertet Südkamp dagegen als reine Symbolpolitik.
Wie es jetzt weitergeht
Der vormalige Bürgermeister der Verbandsgemeinde Uwe Weber setzte zuletzt auf eine kleine Lösung: das Beste aus der Situation machen und das bestehende Museum verbessern. Im Haushalt 2026 sind dafür 49.000 Euro Fördermittel vorgesehen, vor allem für das defekte Dach. Immerhin gibt es auch eine gute Nachricht: Einige wertvolle Stücke aus der Privatsammlung von Gregor Beicht, darunter Fische, werden inzwischen im Bundenbacher Museum gezeigt.
Quellen
- Nahe-Zeitung (18.10.2025): „Bleibt neues Fossilienmuseum nur ein Traum?“ (K. Knaudt).
- bundenbach-fossilien.de: Petition „Fossilienmuseum Bundenbach“ (14.12.2024–14.02.2025) samt Sachstand und Inventarisierung (W. Südkamp, 2024).
- Julia Klöckner MdB (30.07.2025): Pressemeldung „Fossilienmuseum Bundenbach“.
- Landesmuseum Birkenfeld: Sonderausstellung „Stachelhai & Schlangenstern – Fossilien aus Bundenbach“ (2023).
- KuLaDig sowie Haushalt 2026 der VG Herrstein-Rhaunen: Angaben zu Museumsgeschichte und Renovierung.
Bildnachweis: Naturkundemuseum Reutlingen

