Seirocrinus subangularis
100 x 560 cm, 29.8 kg
Lias epsilon, Fleins; Holzmaden
Antikes Stück aus der Werkstatt Hauff
Ein außergewöhnliches, dekoratives Stück mit historischen Flair - manuell präpariert und in Holzrahmen montiert, nach Auskunft der Vorbesitzer mindestens 80 Jahre im Familienbesitz.
Die große Krone läuft nach oben hin in Richtung der ausgebreiteten Arme in die Originalplatte aus. Dies ist recht ungewöhnlich, da Kronen, zumal in dieser stattlichen Größe in der Regel in vielen Einzelteilen geborgen und dann zusammengesetzt werden. Da Anschlusstücke oftmals fehlen, war und ist es üblich, die Kronen komplett in eine ruhige, großzügig beschnittene Trägerplatte einzusetzen. Die Übergänge zwischen der Originalplatte (tiefer - wie ein Implantat) und der darüber liegenden Trägerplatte (höher) werden im Bereich der auslaufenden Arme dann üblicherweise kaschiert durch konkav geschwungene Übergänge. Nicht so in diesem Fall. Die Platte liegt in einer Ebene, die Krone lässt keine internen Klebungen erkennen. Ein Verzicht auf Platten, die nicht im natürlichen Verbund liegen, sondern angesetzt wurden, konnte aber auch bei diesem Stück nicht gänzlich vermieden werden. Nach unten zum Stiel wird die Krone von Platten gefasst, die aus der Fundschicht stammen, aber nicht natürlich an das Fossil angrenzen. In der Werkstatt Hauff, meisterhaft ausgeführt, ist dieser Übergang mit dem bloßen Auge nicht erkennbar.
Verkauft im Kundenauftrag.
Die koloniebildende Treibholz-Seelilie: Seirocrinus subangularis aus Holzmaden
Der Seirocrinus subangularis ist ein absolutes Prunkstück und eines der bekanntesten Fossilien aus der berühmten Posidonienschiefer-Formation (Unterjura, vor rund 180 Millionen Jahren) von Holzmaden. Entgegen ihrem Namen sind Seelilien keine Pflanzen, sondern faszinierende Meerestiere, die mit Seesternen und Seeigeln verwandt sind. Die Funde aus Holzmaden sind von unschätzbarem musealem Wert, oft als riesige Platten, die das „Schwäbische Medusenhaupt“ genannt werden.
Biologie und Lebensweise
Seirocrinus weist die typische Gliederung einer Seelilie auf: einen Stiel, der aus hunderten kleinen „Pokerchips“ (Stielgliedern) besteht, und eine Krone mit einem Kelch (Calyx) und zahlreichen Fangarmen. Die Tiere waren passive Filtrierer, die ihre feinen, fiederartigen Arme nutzten, um winzige Nahrungspartikel aus der Meeresströmung zu filtern.
Die herausragende Besonderheit von Seirocrinus war seine pseudoplanktische Lebensweise. Anders als die meisten Seelilien, die am Meeresboden verwurzelt waren, heftete sich Seirocrinus in großen Kolonien an Treibholzstämme an, die durch das Jurameer trieben. Auf diese Weise konnten sie Zonen mit stärkerer Strömung nutzen, um effizient Nahrung zu filtern. Exemplare wurden mit Stiellängen von über 15 Metern gefunden, während die Krone selbst „nur“ 20 bis 30 Zentimeter maß.
Die Besonderheit der Holzmaden-Funde
Die Fossilien aus dem feinkörnigen, sauerstoffarmen Schiefer von Holzmaden sind weltweit für ihre spektakuläre Erhaltung bekannt. Bei Seirocrinus subangularis sind oft nicht nur die robusten Stielglieder, sondern auch die filigranen, feinst verzweigten Arme perfekt erhalten. Die einzigartigen taphonomischen Bedingungen verhinderten die Zersetzung und ermöglichten die Konservierung im Detail, oft zusammen mit dem Original-Treibholz, an dem sie hingen, was extrem selten ist.
Funde von Seirocrinus-Platten bestechen durch ihre Ästhetik und zeigen oft Dutzende von Individuen, deren Arme parallel angeordnet blieben – ein Hinweis darauf, dass die Arme durch eine Art „Klettverschluss-Mechanismus“ zusammengehalten wurden, um sich nicht im Wasser zu verheddern. Die Fossilien sind zudem oft teilweise in goldfarbenes Pyrit umgewandelt, was ihnen einen besonderen ästhetischen Reiz verleiht.
Konservatlagerstätte Holzmaden: Ein Fenster in die Urzeit
Diese detailreiche Erhaltung ist dem einzigartigen Ablagerungsmilieu im Jurameer zu verdanken, das Seirocrinus zu einem „Fossil des Jahres“ (2018) machte. Ein Exemplar aus Holzmaden ist daher ein eindrucksvolles Dokument einer einzigartigen, schwebenden Lebensweise und ein exquisites Exponat für jede anspruchsvolle paläontologische Sammlung.





