Bundenbach Conularia tulipa auf Orbiculoidea mit Chotecops Rest
8 cm (Fossil), 21×22 cm (Matrix)
Bundenbach; Grube Obereschenbach
Seltene Vergesellschaftung einer Conularie, aufsitzend auf Brachiopode, mit Trilobitenrest Chotecops. Ungebrochener Platte mit exzellenten Details.
Gattung Conularia – Die rätselhaften Pyramiden des Hunsrückschiefers
Geometrie trifft Mysterium: Einzigartige, vierkantige Fossilien, die Sammler und Wissenschaftler seit Jahrhunderten faszinieren.
In einer Welt voller organischer Rundungen sticht die Gattung Conularia sofort ins Auge. Mit ihrer strengen, pyramidenförmigen Gestalt und der faszinierenden Oberflächenstruktur wirkt sie fast wie ein künstlich geschaffenes Artefakt. Doch hinter dieser bizarren Form verbirgt sich einer der interessantesten Bewohner des Devon-Meeres – ein festsitzender Räuber, der die Symmetrie perfektionierte.
Die markanten Merkmale – was Conularia so unverwechselbar macht:
- Die vierkantige Pyramide: Das Gehäuse (die Testa) hat die Form einer langgestreckten, vierseitigen Pyramide. Jede der vier Seitenflächen ist identisch aufgebaut, was dem Fossil eine perfekte, vierstrahlige Symmetrie verleiht.
- Feingerippte Querstruktur: Die Oberfläche ist ein haptisches Erlebnis. Feine, meist bogenförmig verlaufende Querrippen überziehen die Schale. In der Mitte jeder Seitenfläche treffen diese Rippen oft in einer markanten Längslinie (der Mittellinie) aufeinander, was an ein filigranes Fischgrätenmuster erinnert.
- Phosphatische Erhaltung: Im Gegensatz zu kalkigen Schalen bestanden Conularien-Gehäuse aus einer Mischung von Chitin und Phosphat. Im Hunsrückschiefer führt dies oft zu einer exzellenten Pyritisierung, bei der die Rippen wie goldene Gravuren auf dem dunklen Gestein glänzen.
- Variabilität der Arten: In Bundenbach finden sich verschiedene Arten, die sich in ihrem Öffnungswinkel (schlank vs. gedrungen) und der Dichte der Rippen unterscheiden. Diese Varianz macht es zu einem spannenden Sammelthema innerhalb einer Gattung.
Ein paläontologisches Rätsel aus Bundenbach
Lange Zeit wurden Conularien als Schnecken oder Röhrenwürmer missverstanden. Heute weiß man: Sie waren vermutlich Verwandte der Quallen. Sie lebten mit der Spitze im Schlamm verankert oder an Hartgrund angeheftet und fingen mit Tentakeln, die aus der breiten Öffnung ragten, ihre Beute. Ein Stück Conularia ist also nichts Geringeres als das Skelett einer „sesshaften Qualle“.

